Das Gegenangebot

‘Das Gegenangebot’ ist ein Angebot Ihres Arbeitgebers, mit dem er versucht, Sie zu einem Verbleib bei dem aktuellen Unternehmen zu überzeugen. Dieses allerletzte, verzweifelte Angebot Ihres Chefs kann sehr schmeichelhaft und sogar ziemlich lukrativ sein, und wird Ihnen für gewöhnlich kurz vor Ihrem Rücktrittsgesuch unterbreitet.

Klingt ziemlich gut, nicht wahr?

Falsch!

Wenn man kurz davor steht, einen Qualitätsmitarbeiter – wie Sie es sind – zu verlieren, dann ist es durchaus verständlich, dass Ihr Chef beinahe alles unternimmt, um Sie und Ihre Kompetenzen zu halten. Einen Angestellten zu ersetzen ist mühsam und kostspielig. Sollte man jedoch ‘Das Gegenangebot’ annehmen, könnte dies die schlechteste Karriereentscheidung überhaupt sein.

Die Entscheidung zu kündigen und einen Karrieresprung zu machen, fällt einem nicht leicht. Bevor Sie sich mit Ihrem Chef zusammensetzen, sollten Sie sich auf jeden Fall die Gründe für Ihren Rücktritt noch mal ins Gedächtnis rufen. Obwohl „mehr Gehalt“ eine akzeptable Antwort ist, gibt es noch weitere konkrete Beweggründe, die Ihnen die aktuelle Stelle nicht bietet bzw. die neue bieten kann. Hierzu gehören unter anderem:

  • Bessere berufliche Perspektiven und Zukunftschancen
  • Berufliche Weiterentwicklung und neue Herausforderungen
  • Unflexible Arbeitszeiten oder übermäßige Geschäftsreisen
  • Die Unternehmensleistung oder die weitere geschäftliche Ausrichtung

Bevor Ihr Chef Ihnen das beruhigende und komfortable Gegenangebot unterbreitet, wird er versuchen, Ihre Motive für einen Jobwechsel zu erfahren und (halten Sie die Luft an) vielleicht sogar Ihre Beweggründe kleinzureden, nur um irgendwelche Zweifel zu säen. Ihr Chef hofft darauf, dass er Ihnen den Rücktritt ausreden kann (machen Sie sich gefasst):

  • eine Gehaltserhöhung
  • eine Beförderung und eine andere Aufgabe
  • zusätzliche Vorteile

Ein kalkulierender Karrierist könnte womöglich seinen Rücktritt als Trumpf für ein verbessertes Gehaltspaket und/oder eine Beförderung einsetzen, obwohl er gar nicht vorhat, das Unternehmen zu verlassen. Hut ab vor diesen machiavellistischen Charakterzügen. Das Gegenangebot kann sehr verlockend sein – aber hüten Sie sich davor, es anzunehmen:

  • Ihre Loyalität wird angezweifelt. Manager mögen es normalerweise nicht, wenn Ihnen Untergebene ein Ultimatum stellen, und sie denken sich: “Was passiert beim nächsten Mal, wenn er sich wieder unterbewertet fühlt?”.
  • Sie müssen zukünftige Mitarbeitergespräche im Vorhinein anberaumen und zeitlich fixieren. Erst jetzt werden Sie fair vergütet und entsprechend wahrgenommen, obwohl es Ihnen bereits vor Wochen oder Monaten hätte angeboten werden können.
  • Ihr Chef wird unweigerlich damit beginnen, sich mit einem möglichen Ersatz zu beschäftigen. Der Gedanke an ein „Leben nach Ihnen“ ist in seinem Kopf, und außerdem sind Sie für die Abteilung jetzt noch teurer geworden.
  • Wurden die wahren Gründe für Ihre freiwillige Kündigung ausreichend besprochen?

 

Das Gegenangebot soll Ihr Urteilsvermögen trüben. Es lockt mit einer Gehaltserhöhung und lässt den Chef bemitleidenswert erscheinen – aber wenn Sie sich für einen Rücktritt entschieden haben, dann lassen Sie sich nicht von Ihrem Vorhaben abbringen:

Akzeptieren Sie NIEMALS das Gegenangebot!